Die Befreiung vom Fasten
Das Fastensgebot wird allen gesunden und volljährigen Gläubigen auferlegt und von diesem Gebot werden die Betagten, die Kleinkinder, die Säuglinge, die Kranken, die stillenden Mütter und die schwangeren Frauen befreit und die Befreiung der vorhin genannten Gruppen ist keineswegs ein Zeichen des Wohlstandes, sondern eine Notwendigkeit.
Das vierzigtägige Fasten
Das vierzigtägige Fasten wurde im dritten Jahrhundert verkündet und im zweiten Viertel des vierten Jahrhunderts hat man die Leidenswoche hinzugefügt, die lange Zeit vor diesem Fasten gefastet wurde und so wurde aus dem vierzigtägigen Fasten zusammen mit der Leidenswoche ein siebenwöchiges Fasten.
Das Gebot des vierzigtägigen Fastens ist eine Erinnerung für die Gläubigen an den Kampf Christi und an sein Fasten in der Wüste. Die Gläubigen haben früher das vierzigtägige Fasten ohne Essen und Trinken bis zum Abend gehalten, danach nahmen sie ein Fastenessen zu sich, das nur aus Brot, Wasser, das gesalzen wurde, Hülsenfrüchten, Getreide und pflanzlichen Ölen bestand. Zur Heiligung und Verehrung des Sonntags beging unsere Kirche keine Fastentage an einem Sonntag und ebenso auch wenn der Termin des Beginns einer Fastenzeit auf den Sonntag fällt, um den Sonntag zu verehren, beginnen wir erst am Montag mit dem Fasten. So wird die Anzahl der Fastentage in dem betreffenden Jahr um einen Tag verkürzt.
Es wurde untersagt, große Feste während der vierzigtägigen Fastenzeit zu veranstalten. Ebenso hat man auf der genannten Synode beschlossen in der Fastenzeit die Eucharistiefeier nicht zu feiern bis auf die beiden Tage, die des Sonnabends und des Sonntags. Anstatt der Eucharistiefeier hat man in der Fastenzeit die Liturgie des Rschom Koso praktiziert, Bezeichnung des Kelches, das ist eine Messe in der die Eucharistie in einem früheren Gottesdienst konsekriert wurde. Die Kirche verbot das Trinken von Wein und der übrigen alkoholischen Getränke während der Fastenzeit.
Der Patriarch Ellias III. († 1932), selig sei sein Gedenken, erließ ein Dekret, Fisch während der vierzigtägigen Fastenzeit essen zu können und er erlaubte den Gliedern der Kirche in Amerika, lediglich die erste und letzte Woche von der großen Fastenzeit vor Ostern zu fasten und die Tage des Mittwochs und des Freitags dazu, und an den anderen Tagen dazwischen dürfen sie das Fasten brechen.
Der Patriarch Aphram I. Barsaum († 1957), selig sei sein Gedächtnis, erlaubte ebenso auf eine Bitte der Kirche in Indien, die restlichen Fastentage im Jahr für die gesamte Kirche zu reduzieren.
Der Patriarch Yacoub III. († 1980) erlaubte, lediglich die erste und letzte Woche von dem vierzigtägigen Fasten vor Ostern zu fasten und die Tage des Mittwochs und des Freitags dazu, und an den anderen Tagen dazwischen dürfen der Klerus und das Volk das Fasten brechen. Er erlaubte ihnen an den Tagen, die sie innerhalb dieses Fastens nicht fasten, auch tierische Produkte zu sich zu nehmen. Dies geschah im Jahre 1966. Und er erlaubte zusätzlich, auch in den Tagen zwischen den beiden Wochen, also die Woche mit dem Beginn der Fastenzeit und die letzte Woche, die die Leidenswoche ist, Feste, Hochzeiten, Taufen, die Eucharistie und das Gedenken der Heiligen zu feiern.
Die Erlaubnis meiner berühmten Vorgänger im Amt, das vierzigtägige Fasten zu reduzieren, geschah aus Barmherzigkeit. Denn wenn die Gläubigen das Gebot des Fastens brechen, sind sie in einem Zustand, Gott bewahre, wo sie den Zorn Gottes auf sich laden. Wer also von diesem Erlass Gebrauch macht, sündigt nicht und wird zu denen gezählt, die die Gebote einhalten, aber wer das vierzigtägige Fasten und zusätzlich die Leidenswoche dazu einhält, erhält ein Vielfaches an Lohn.
Das Fasten an den Tagen des mittwochs und freitags jeder Woche
Die heilige Kirche praktizierte vom Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus das Fasten der zwei Wochentage, den Mittwoch und den Freitag, anstatt der üblichen zwei Tage, den Montag und den Donnerstag, die die gottesfürchtigen Juden praktiziert hatten.
Die Christen fasten am Mittwoch, denn an diesem Tag wurde verabredet, Christus gefangen zu nehmen und ihn zu töten. Am Freitag wird ebenso gefastet, denn an diesem Tag wurde Christus gekreuzigt und ist gestorben zu unserer Erlösung. Es war üblich seit vielen Generationen, dass die Kirche in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten die Fastentage, den Mittwoch und den Freitag, nicht fastete.
Wir fasten ebenso nicht, wenn an diesen Tagen ein Fest des Herrn oder der Heiligen Jungfrau Maria oder das Fest des Patrons einer Gemeinde oder einer Gegend zu feiern ist. Es ist ebenso in den späteren Generationen üblich geworden zu erlauben, in den Tagen zwischen der Woche nach Weihnachten und dem Epiphaniasfest mittwochs und freitags nicht zu fasten. Das ist die Woche des Gedächtnisses der verstorbenen Priester und die Woche des Gedenkens der übrigen Seelen.
Wir fasten an diesen beiden Tagen, indem wir bis zum Mittag weder essen noch trinken und danach nehmen wir Fastenessen zu uns oder man fastet vom Abend des jeweiligen Tages bis zum Abend des nächsten Tages, so wie es unsere Väter zu Beginn der Christenheit taten.
Die Fastenzeit zu Weihnachten
Die Einsetzung des Fastens zu Weihnachten geht auf die Zeit vor dem vierten Jahrhundert zurück. Dieses Fasten wird praktiziert, um vorbereitet zu sein, das Fest der Geburt Christi im Fleisch würdig zu begehen. Früher fastete man vierzig Tage vor Weihnachten. Die Kirche hat diese Fastentage auf 25 reduziert und dann im Jahre 1946 nach Beschluss der Synode von Homs in Syrien reduzierte sie Patriarch Aphram I. Barsaum auf 10 Tage. Das Fasten beginnt am 15. Dezember und endet am 25. Dezember, am Tage des Festes der Geburt unseres Erlösers.
Das Fasten der Apostel
Dieses Fasten wurde deshalb so genannt, weil es von den Aposteln eingesetzt wurde, denn man fastet zu Gott allein und wir fasten dieses Fasten, weil wir uns die Apostel als Vorbild nehmen. „Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben, schaut auf das Ende ihres Lebens, und ahmt ihren Glauben nach!“ denn sie fasteten um das Wort Jesu zu erfüllen, der gesagt hat: „Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein, dann werden sie fasten“. Nach Christi Himmelfahrt und der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger begannen sie zu fasten.