Midyat ist der Hauptort des Tur Abdin und seit 1478 Bischofssitz. Es liegt in etwa 1000m Seehöhe in einer hügeligen Landschaft mit Wiesen, Äckern und Weinbergen. Midyat galt als die einzige Stadt der Türkei mit einer mehrheitlichen christlichen Bevölkerung, in der es neben acht Kirchen nur zwei Moscheen gab. Jetzt ist es mit der nahe gelegenen Stadt Estel verbunden, wodurch der muslimische Anteil erheblich zunahm. Durch die Auswanderung der Christen änderte sich das Verhältnis der Moscheen und Kirchen. Heute leben in Midyat noch ungefähr hundert christliche Familien, von denen manche aus den umliegenden Dörfern zugewandert sind. Fünf schlanke Kirchtürme und zwei Minarette prägen die Silhouette des Stadtbildes. Die Bischofskirche Mor Schmuni erhielt ihre jetzige Gestalt am Ende des vorigen Jahrhunderts. Von einem Hof, der die Kirche umgibt, erreicht man die Pfarrschule und die bescheidenen Amtsräume des Bischofs. Dem Zentrum am nächsten liegt die reich verzierte Kirche Mor Barsaumo, die 1943 auf ihren alten Fundamenten in traditioneller Form wiederaufgebaut wurde. Am südöstlichen Stadtrand steht die älteste, 1960 mit altem Baumaterial wieder aufgebaute Kirche Mor Akhsnoyo (der syrische Name für Philoxenos). Von den beiden auf einer Erhebung erbauten Kirchen ist Mor Scharbel, ein Bau mit edlen Proportionen, die südlichere, sie wurde 1965 wieder errichtet. Am höchsten Punkt der Stadt erhebt sich die um 1900 erbaute protestantische Kirche als die größte aller Kirchen der Stadt.
Midyat ist bereits im 9. Jahrhundert vor Christus in assyrischen Annelen als Höhlenstadt Matiate erwähnt, wovon sich der heutige Name ableitet. Auch die ersten Christen sollen in Höhlen gelebt haben. Im Laufe der Geschichte wurde die Stadt vielfach bedrängt und zerstört, zuletzt in den Wirren während des Ersten Weltkrieges. Ein Drittel der Bevölkerung wurde getötet und viele Häuser lagen in Trümmern. Erst nach 1930 gab es einen neuerlichen Aufschwung, Häuser und Kirchen wurden wieder aufgebaut, die Zahl der christlichen Einwohner fing wieder an zu wachsen. Die meisten Familien gehörten der Syrisch-orthodoxen Kirche an, einige waren syrisch-katholisch oder protestantisch. In wirtschaftlicher Hinsicht ist Midyat Zentrum des Handels und bekannt durch seine Silberschmiede und deren Filigranarbeiten.
Midyat ist das Zentrum des christlichen Tur Abdin und Sitz eines Erzbischofs. Durch vielfache Bedrohungen in der Vergangenheit, angefangen von der Verfolgung der Christen in Mesopotamien durch die byzantinischen Kaiser, zogen es die Bischöfe vor, in den Klöstern zu leben. Oft waren sie zugleich deren Äbte. So lebt auch Erzbischof Timotheos Samuel Aktas im Kloster Mor Gabriel. Doch an hohen Festtagen und bei offiziellen Anlässen begibt er sich in die Kirche Mor Schmuni in Midyat. Schmuni ist der Name, der in der syrischen Tradition der Mutter der sieben makkabäischen Brüder gegeben wurde, die ihre Söhne, anstatt ihnen zuzureden ihren Glauben zu verleugnen und ihr Leben zu retten, zum Martyrium ermunterte.
Midyat ist Verwaltungs- und Handelszentrum, aber auch Zentrum für das Handwerk. Von hier aus gibt es durch Minibusse gute Verbindungen zu den Dörfern in der Umgebung. Ebenso führen von Istanbul und anderen großen Städten direkte Buslinien nach Midyat. Hier liegt auch der Schnittpunkt der Straßen von Mardin nach Cizre und von Batman nach Nusaybin.